Wessen Leben lebst Du eigentlich?

Aufgabentrennung macht glücklich

Viele von uns arbeiten und warten darauf, für ihre Mühen Anerkennung durch unseren Vorgesetzten zu bekommen. Wenn unser Lebenspartner sich nicht so verhält, wie wir es erwarten, sind wir enttäuscht. Unsere Kinder sollen das lernen, was wir für richtig halten. Der Klient kommt zum Coach und erwartet von diesem die Lösung für sein Problem. Und die selbsternannten Weltverbesserer unter uns, können einfach nicht verstehen, warum der Rest der Menschheit nicht die gleichen Utopien teilt. In den Lehren Alfred Adlers gibt es für alle aufgelisteten Probleme eine ganz einfache Lösung: die Trennung der Aufgaben.

Was damit gemeint ist, hab ich für mich nachvollziehen können durch das Buch des japanischen Philosophen Ichiro Kishimi, das er zusammen mit dem Autor Fumitake Koga verfasst hat: „Du musst nicht von allen gemocht werden. Vom Mut sich nicht zu verbiegen.“ Es wurde mir von einer meiner Kurs-Teilnehmerinnen empfohlen, die offensichtlich über mehr Weisheit 🙏verfügt als ich. Ich danke Dir noch mal sehr dafür liebe 🌞-ja!

Beide Autoren haben sich viele Jahre mit den Schriften und Erkenntnissen des Begründers der Individualpsychologie befasst. In der klassischen Dialogform der griechischen Philosophie führen in diesem Buch ein Philosoph und sein Schüler viele Gespräche und bringen so auf unterhaltsame und leicht lesbare Art so manche Lebensweisheit ans Licht:

Erziehung durch Lob und Tadel

So ist der Grund dafür, dass wir ständig Lob und Anerkennung bei anderen suchen, unsere Erziehung durch Lob und Strafe. Haben wir uns so verhalten, wie es andere erwartet haben, gab es Lob, wenn nicht, wurden wir in irgendeiner Form bestraft. Welchen Lebensstil entwickeln viele Erwachsene daraus? Sie versuchen die Erwartungen anderer zu erfüllen, sind unglücklich, wenn sie später beispielsweise an einen Vorgesetzten geraten, der – aus welchen Gründen auch immer – nicht lobt, manche von uns ändern ihre Einstellungen so oft wie es die Umgebung ihrer Ansicht nach erfordert und wieder andere leben das Leben ihrer Eltern.

„Wir sind nicht auf der Welt, um die Erwartungen anderer zu erfüllen“, heißt es dazu in dem Buch. Wenn wir es doch tun, leben wir nicht unser, sondern das Leben der anderen. Und genauso sind die anderen nicht auf der Welt, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wenn jemand, z. B. meine Tochter, nicht das tut, was ich möchte, ist das kein Grund wütend zu sein.

So ist es beispielsweise ihre und nicht meine Aufgabe für ihre Klausuren zu lernen. Wenn sie stattdessen lieber auf dem Handy daddelt und am Ende nichts lernt, trägt sie die Konsequenz einer schlechten Note und muss entscheiden, ob sie damit und mit den weiteren Folgen leben will. Ich kann ihr nur meine Unterstützung und Hilfe anbieten.

„Wenn man sein Leben nicht für sich selbst lebt, wer sollte es dann für einen leben?“, wird in dem Buch gefragt und trotzdem begegnen wir immer wieder Menschen, die uns ungebetene Ratschläge für unser Leben und ungefragt Hilfestellungen geben, die am liebsten unser Leben gleich mitleben würden. Andere möchten uns auf verschiedenen Wegen dazu bringen – und hier wird häufig versucht, mit Schuldgefühlen zu arbeiten – ihre Aufgaben zu übernehmen.

Aufgabentrennung

„Und wie stellt man es an, die Aufgaben zu trennen?“, fragt der junge Mann in dem Buch. „Man mischt sich nicht in die Aufgaben anderer Menschen ein.“ So einfach und manchmal doch so schwer lautet die Antwort.

So liegt es in der Verantwortung des Klienten und nicht des Coaches, ob jemand sich verändern wird. So kann ich Erwartungen an meinen Partner haben, ob er diese aber tatsächlich erfüllt, ist seine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es allerdings zu entscheiden, wann meine Beziehungen oder meine Arbeit mein Leben nur noch in etwas Schweres und Mühevolles verwandeln, ob ich das weiter mitmachen will oder ob ich irgendwann entscheide: „Von hier an ist es nicht mehr meine Aufgabe.“

Buchempfehlung:

Ichiro Kishimi und Fumitake Koga: „Du musst nicht von allen gemocht werden. Vom Mut sich nicht zu verbiegen. Rowohlt Taschenbuch Verlag