6 Tipps für mehr Selbstfürsorge

Nur der Mensch, dem es gut geht, kann auch wachsen

Es gibt so Tage: Man wacht morgens schon wie gerädert auf, der Rücken tut weh, der Kopf schmerzt und natürlich ist man wieder mal viel zu spät dran. Also, raus aus dem Bett, auf die Schnelle einen Kaffee runtergestürzt und das lieblos zusammengeworfene Müsli in sich reingeschaufelt. Endlich fertig, die Klinke schon in der Hand, da kommt das Töchterchen, flehender Blick, große Augen: „Kannst Du mir bitte in Pädagogik helfen, Thema ist ‚Bandura, Lernen am Modell?“ Innerlich schließt du die Augen, denkst: „Das kann doch nicht wahr sein, denkst an den gestrigen Abend an dem Tochter alle Zeit der Welt hatte, um mit ihrem Handy zu daddeln, spürst wie Ärger in Dir hochkommt, das Blut in deinen Adern anfängt, zu pulsieren. Gleichzeitig prasselt dein innerer Gedankenstrom auf dich ein: „Wolltest du nicht eine Mutter sein, die sich Zeit für ihr Kind nimmt?“

Eine halbe Stunde später, der Bandura-Text ist geschrieben, kommst du im Büro an. Deine Kollegin kommt auf dich zu und fragt, ob du einen Teil ihrer Arbeit mitmachen könntest, weil sie heute für ihren Yogakurs eher gehen muss, du nickst freundlich und denkst innerlich: „Toll, wann ist denn mal Zeit für meine Entspannung.“ Weil du jetzt noch die Aufgaben deiner Kollegin übernommen hast, bleibt dir keine Zeit für Pausen, du arbeitest durch, verlässt den Schreibtisch nur, wenn es gar nicht anders geht und spürst schon gar nicht mehr, wie sehr sich deine Muskeln verkrampfen und zusammenziehen.

Als du endlich Feierabend machst und mit einem jetzt deutlich schmerzenden Rücken zu Hause ankommst, empfängt dich dein Partner mit einem warmen Lächeln und möchte mit dir ausgehen. Du denkst: „Bloß nicht heute, und sehnst dich nur noch nach einer warmen Wanne. Energie zum Ausgehen hast du nicht mehr, wie so oft, weil es viele dieser Tage gibt. Du sagst deinem Partner im mäßig aggressiven Ton, weil du zudem sauer bist, dass er deinen Zustand nicht erraten kann, dass du absolut keine Lust dazu hast. Der fast allabendliche Streit bricht aus…

Barbara Fredrickson ist die Entwicklerin der Broaden-and-Build-Theory, die im Wesentlichen besagt, dass nur jemand der darauf achtet, dass es Körper und Geist gutgeht, der Sport macht, sich halbwegs gut ernährt, Pausen einbindet, Stress fernhält, kurzum dafür sorgt, dass die positiven Gefühle ganz klar die negativen Gefühle übersteigen, auch wachsen, kreativ denken und etwas Neues beginnen kann.

Wie schafft man es aber im Alltag so einen Nährboden für gute Dinge in seinem Leben zu schaffen?

Hier meine sechs Tipps mit denen ich mehr Zufriedenheit, glückliche Erlebnisse und positive Gefühle in mein Leben bringe:

Tipp 1: Zur Ruhe kommen

Ich bin jemand, der sich so richtig in berufliche Aufgaben reinfressen kann. Mich dann vom Schreibtisch wegzukriegen, ist echt schwer. Mittlerweile zwinge ich mich auch im größten Stress Pausen einzuplanen. Dafür reicht es manchmal nach einer Stunde aufzustehen und aus dem Fenster zu gucken oder sich zurückzuziehen und tief zu atmen. Jetzt gerade fängt mein Nacken wieder an zu schmerzen, also mach ich kurz Pause und diese Sport-Übungen von der wunderbaren Gaby Fastner. Darüber hinaus habe ich die Metta-Mediation für mich entdeckt, um mich zu fokussieren.

Ich hatte auch Bürotage – im Großraumbüro – wo ich in leitender Position so viel Mails und Anrufe bekam, dass an ruhige Arbeit nicht zu denken war. Nach Absprache mit meiner Vorgesetzen habe ich eine „Stille Stunde“ eingeführt, ein fester Zeitrahmen, in dem mir keine Gespräche durchgestellt wurden und ich die Mails nicht angerührt habe, in dieser täglichen Stunde habe ich durch ruhige konzentrierte Arbeit fast mehr geschafft als den Rest des Tages!

Tipp 2:  Bewegung

Schon als Kind habe ich es geliebt, den ganzen Tag durch unseren Garten zu toben, zu springen und zu hüpfen. Mir tut Bewegung supergut, auch um den Kopf freizukriegen. Zum einen baut Sport Stresshormone im Körper (unter anderem Cortisol) ab, zum anderen fühle ich mich danach herrlich entspannt. Dabei wechsele ich immer mal wieder ab, was ich so mache: ich habe ein Trampolin zu Hause auf dem ich gerne hüpfe, ich hab verschiedene 15-Minuten-Trainingsprogramme auf DVD (z.B. 15 Minuten-Dance Fitness für jeden Tag von Caron Bosler); oder ich schwinge mich zu hämmernder Cycling-Musik eine Dreiviertelstunde auf mein Trimmrad.

Total gerne gehe ich aber auch spazieren und hier kommen wir zu

Tipp 3: Rausgehen in die Natur

Einfach mal nur den Himmel bewundern…

Für mich gibt es nichts Schöneres als über weichen Waldboden zu gehen, in grünen Baumspitzen den Blick schweifen zu lassen, die Vögel zwitschern zu hören und den würzigen Kieferngeruch einzusaugen. Nach einer halben Stunde im Wald ist für mich die Welt wieder in Ordnung (selbst in verrückten Zeiten wie diesen).

Tipp 4: Sich Geleistetes bewusst machen

Oft arbeitet man total gestresst eine Aufgabe nach der anderen ab und fragt sich trotzdem am Abend, angesichts der noch wartenden Projekte: „Was habe ich heute eigentlich geschafft?“ Mein Tipp hierzu, auch wenn es 10 Minuten länger dauert bis zum Feierabend, es lohnt sich: Schreib dir kurz alles auf, was du erledigt hast. Was man dann Schwarz auf Weiß vor sich hat, ist garantiert mehr, als erwartet und gibt obendrein noch ein gutes Gefühl. Seine Selbstwirksamkeit kann man auch dadurch steigern, dass man sich eine Zeitlang jeden Abend mal drei Dinge notiert, die einem gut gelungen sind (eine Übung, die auch der Begründer der Positiven Psychologie, Martin Seligmann, in seinem Buch „Flourish“ empfiehlt). Ich finde es immer wieder erstaunlich, was man eigentlich alles so leistet, ohne dass es einem tatsächlich bewusst ist.

Tipp 5: Glückstagebuch

Über dieses Thema ist schon so viel gesagt worden und es gibt schon so viele Notizbücher dazu, dass ich hier gar nicht mehr weit dazu ausholen will. Mir ist es oft zu stressig, jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin. Ich kann mich gut mit Konzepten anfreunden, die nur einmal in der Woche Glückserlebnisse zusammenfassen (wunderbar geschrieben finde ich zum Beispiel die Wochenrückblicke von Maike (https://flowers-and-candies.de/category/gluecksmomente/).

Letztendlich muss jeder in sich selbst hineinfühlen, was ihm guttut. Probiert aus, was das für euch ist. In welchen Zeitabständen auch immer, es lohnt sich in jedem Fall, sich von Zeit zu Zeit darüber klar zu werden, wieviel Glück man eigentlich schon in seinem Leben hat.

Tipp 6: Glück vermehren – Wohlbefinden verbessern

Wobei wir bei meinem letzten Tipp für heute sind, den ich gerne mit Euch teilen möchte: Glück vermehren, Wohlbefinden steigern. Mein Tipp ist, sich bereits in guten Zeiten eine Liste zu machen, mit Dingen, die einem guttun, damit man an schlechten Tagen, ohne groß Nachzudenken (geht dann ja oft auch nicht s. Broaden-and-Build-Theory 😉) darauf zurückgreifen kann. Diese Tipps sammele ich auch häufiger in meinen Seminaren und freue mich immer wieder darüber, wie genau die Teilnehmer eigentlich wissen, was Ihnen guttut. Lasst mehr davon in euer Leben!

So sieht meine (stark gekürzte) Liste auszugsweise aus:

  1. Musik hören
  2. Schaumbad nehmen
  3. Thai-Massage buchen
  4. Allein ins Museum
  5. Meditieren
  6. Atemübungen machen
  7. Walken gehen
  8. Lustige Serien z.B. Jerks auf Joyn gucken
  9. Schöne Erinnerungen wachrufen
  10. Tanzen gehen mit Freundinnen

etc…..

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar