Der Weg zum Glück🍀

Wie man mit kleinen Kniffen sein Wohlbefinden steigert – Positive Psychologie im Alltag

Vor einigen Tagen startete ich auf meinen Social Media Accounts eine kleine Serie mit Glückstipps. Aufgrund meines psychologischen Hintergrunds und meiner Ausbildung zum Happinesstrainer bin ich davon überzeugt, dass man selbst einiges tun kann, um seine Zufriedenheit und sein Wohlbefinden zu steigern.

Als im Jahre 1989 Martin Seligmann zum Präsidenten der amerikanischen Gesellschaft für Psychologie APA (American Psychological Association) ernannt wurde, begründete er in seiner Antrittsrede eine neue Richtung seines Psychologie-Fachgebietes: die Positive Psychologie. Die Ausrichtung der Positiven Psychologie unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen Sichtweise der klinischen Psychologie, die ihr Augenmerk verstärkt auf seelische Erkrankungen, ihre Ursachen und ihre Heilung legt.

Er und viele seiner Kolleginnen und Kollegen legten in der Folge ihren Schwerpunkt auf die Erforschung von Verhaltensweisen, Einstellungen und Sichtweisen, die zu einer Steigerung der Lebenszufriedenheit beitragen. Nicht mehr die Genesung von psychischen Dispositionen, sondern die Prävention von Erkrankungen und die Verbesserung der Lebensqualität jedes Einzelnen steht seither im Mittelpunkt dieser Richtung. Die Positive Psychologie oder die Lehre vom gelingenden Leben ist alles andere als bloßes „Sich-das-Leben-Schönreden“ oder Humbug. Sie ist eine Wissenschaft, die in vielen Tests, Untersuchungen und Anordnungen belegte, dass jeder Mensch über das Potenzial verfügt, sein Wohlbefinden zu steigern. Also, auf geht’s, hier eine Zusammenfassung der ersten Tipps der Serie mit Erläuterungen:

Mit ein paar kleinen Kniffen das Wohlbefinden steigern:

  • Tipp 1: Geh heute raus und genieße mit allen Sinnen die Natur!

Welch‘ leuchtendes Grün die Bäume haben, was es für schöne gelbe, lila und weiße Blüten am Wegesrand gibt. Wie angenehm das Bächlein plätschert. Und wie aromatisch der Kiefernwald duftet. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, hat viel zu schauen, wer aufmerksam lauscht, entdeckt die schönsten Vogelstimmen und wer sich auf Gerüche konzentriert, wird in der Natur viel angenehme Düfte entdecken. Allesamt Impulse, die Glücksgefühle auslösen!

  • Tipp 2: Höre heute besonders aufmerksam zu!

Hört sich so einfach an, fällt den meisten Menschen aber unfassbar schwer: sich selbst zurücknehmen und einfach nur hören, was dein Gegenüber zu sagen hat. In meinen Coachings achte ich sehr auf das Aktive Zuhören wie es schon Carl Rogers in seiner personenzentrierten Gesprächstherapie angewendet hat. Dabei höre ich sehr aufmerksam auf das Gesagte und gebe durch Kopfnicken oder kleine Bestätigungslaute sowie eine zugewandte Körperhaltung zu verstehen, dass meine ganze Aufmerksamkeit bei meinem Gesprächspartner ist. Für das Gegenüber ist das unfassbar entspannend, zu erfahren, dass ihm Raum gegeben wird, sich zu öffnen. Oft werden ihm dabei erst durch das Aussprechen von Gedanken und Gefühlen seiner Innenwelt ganz neue Perspektiven eröffnet. Gespräche, die so geführt werden, erlangen oft eine große Tiefe und machen glücklich.

  • Tipp 3 Sei dankbar für die schönen Dinge, die dich umgeben!

Oft sorgt unsere Konsumgesellschaft dafür, dass wir gedanklich wahnsinnig viel damit beschäftigt sind, was uns fehlt, um glücklich zu sein. Ein ganzer Industriezweig lebt davon richtig gut, uns fortwährend einzutrichtern, was wir alles noch unbedingt brauchen und schafft dafür oft sogar Bedürfnisse, die wir vorher eigentlich gar nicht hatten. Dabei gibt es ein relativ einfach anzuwendendes Werkzeug, um mehr Zufriedenheit in sein Leben zu bringen: Erwiesenermaßen steigert Dankbarkeit die Lebenszufriedenheit (vgl. beispielsweise die Ausführungen von Frederike Bannink ab s.67 ff. in ihrem Buch „Praxis der Positiven Psychologie“, 2012). Eine Möglichkeit mehr Dankbarkeit in sein Leben zu bringen, ist, sich eine Weile jeden Morgen oder am Abend drei Dinge zu notieren, wofür man dankbar sein kann. Dabei braucht man sich keinen großen Kopf zu machen, denn eigentlich haben wir alle viel mehr, als uns bewusst ist. Mir fallen gerade spontan ein: 1. meine Familie 2. meine Balkonblumen und 3. Muße zu haben, um neue Dinge zu lernen.

  • Tipp 4: Schenke heute jemandem ein Lächeln, es wird zu dir zurückkommen!

Während meiner Ausbildung zum Trainer, Mentor und Coach bei der gGHH wurden bei mir sehr viele Gedankenprozesse in Gang gesetzt. Mir wurde plötzlich klar, welche meiner persönlichen Werte in meinem letzten Job massiv verletzt wurden, wo meine eigentlichen Stärken liegen und in welchen Bereichen ich mir im Laufe meines Lebens Schutzwälle errichtet hatte. Auch wenn das zum Teil unheimlich anstrengend war, war es auch eine wahnsinnige Freude und Erleichterung, mir selbst auf die Spur zu kommen. So kam es, dass ich oft morgens lächelnd zum Unterricht gegangen bin. Es war toll, dabei zu erleben, wie freundlich die Welt um mich herum plötzlich war. Ich bin selten so oft zurück angelächelt worden. Selbst beim Autofahren strahlten mich andere Fahrer dermaßen an, dass bei mir im Inneren die Sonne aufging. Lächeln schafft Freude und das Schöne daran ist, dass diese Freude enorme Wellen schlägt.

  • Tipp 5: Lust zu meditieren? Achte eine Weile auf das Ein und Aus deines Atems.

In ihrem Buch „Die Macht der guten Gefühle“ stellt Barbara Fredrickson die vielseitig belastete Mutter, Ehefrau und Arbeitnehmerin Nina vor (2011, ab S. 102 ff.) und welchen positiven Einfluss das regelmäßige Meditieren auf die Steigerung ihres Glücksempfindens hat. Als sehr lebhafter, leicht stressanfälliger Typ hilft auch mir das Meditieren dabei runterzufahren und meine Gedanken und meinen Körper zu fokussieren. In Krisenzeiten konzentriere ich mich verstärkt auf die Mettameditation (Beispiel für eine Anleitung hier). Sie hilft mir mich – trotz Angstszenarien und starken Einschränkungen meiner Umwelt – positiv, zuversichtlich und gestärkt zu fühlen.

Wessen Leben lebst Du eigentlich?

Aufgabentrennung macht glücklich

Viele von uns arbeiten und warten darauf, für ihre Mühen Anerkennung durch unseren Vorgesetzten zu bekommen. Wenn unser Lebenspartner sich nicht so verhält, wie wir es erwarten, sind wir enttäuscht. Unsere Kinder sollen das lernen, was wir für richtig halten. Der Klient kommt zum Coach und erwartet von diesem die Lösung für sein Problem. Und die selbsternannten Weltverbesserer unter uns, können einfach nicht verstehen, warum der Rest der Menschheit nicht die gleichen Utopien teilt. In den Lehren Alfred Adlers gibt es für alle aufgelisteten Probleme eine ganz einfache Lösung: die Trennung der Aufgaben.

Was damit gemeint ist, hab ich für mich nachvollziehen können durch das Buch des japanischen Philosophen Ichiro Kishimi, das er zusammen mit dem Autor Fumitake Koga verfasst hat: „Du musst nicht von allen gemocht werden. Vom Mut sich nicht zu verbiegen.“ Es wurde mir von einer meiner Kurs-Teilnehmerinnen empfohlen, die offensichtlich über mehr Weisheit 🙏verfügt als ich. Ich danke Dir noch mal sehr dafür liebe 🌞-ja!

Beide Autoren haben sich viele Jahre mit den Schriften und Erkenntnissen des Begründers der Individualpsychologie befasst. In der klassischen Dialogform der griechischen Philosophie führen in diesem Buch ein Philosoph und sein Schüler viele Gespräche und bringen so auf unterhaltsame und leicht lesbare Art so manche Lebensweisheit ans Licht:

Erziehung durch Lob und Tadel

So ist der Grund dafür, dass wir ständig Lob und Anerkennung bei anderen suchen, unsere Erziehung durch Lob und Strafe. Haben wir uns so verhalten, wie es andere erwartet haben, gab es Lob, wenn nicht, wurden wir in irgendeiner Form bestraft. Welchen Lebensstil entwickeln viele Erwachsene daraus? Sie versuchen die Erwartungen anderer zu erfüllen, sind unglücklich, wenn sie später beispielsweise an einen Vorgesetzten geraten, der – aus welchen Gründen auch immer – nicht lobt, manche von uns ändern ihre Einstellungen so oft wie es die Umgebung ihrer Ansicht nach erfordert und wieder andere leben das Leben ihrer Eltern.

„Wir sind nicht auf der Welt, um die Erwartungen anderer zu erfüllen“, heißt es dazu in dem Buch. Wenn wir es doch tun, leben wir nicht unser, sondern das Leben der anderen. Und genauso sind die anderen nicht auf der Welt, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wenn jemand, z. B. meine Tochter, nicht das tut, was ich möchte, ist das kein Grund wütend zu sein.

So ist es beispielsweise ihre und nicht meine Aufgabe für ihre Klausuren zu lernen. Wenn sie stattdessen lieber auf dem Handy daddelt und am Ende nichts lernt, trägt sie die Konsequenz einer schlechten Note und muss entscheiden, ob sie damit und mit den weiteren Folgen leben will. Ich kann ihr nur meine Unterstützung und Hilfe anbieten.

„Wenn man sein Leben nicht für sich selbst lebt, wer sollte es dann für einen leben?“, wird in dem Buch gefragt und trotzdem begegnen wir immer wieder Menschen, die uns ungebetene Ratschläge für unser Leben und ungefragt Hilfestellungen geben, die am liebsten unser Leben gleich mitleben würden. Andere möchten uns auf verschiedenen Wegen dazu bringen – und hier wird häufig versucht, mit Schuldgefühlen zu arbeiten – ihre Aufgaben zu übernehmen.

Aufgabentrennung

„Und wie stellt man es an, die Aufgaben zu trennen?“, fragt der junge Mann in dem Buch. „Man mischt sich nicht in die Aufgaben anderer Menschen ein.“ So einfach und manchmal doch so schwer lautet die Antwort.

So liegt es in der Verantwortung des Klienten und nicht des Coaches, ob jemand sich verändern wird. So kann ich Erwartungen an meinen Partner haben, ob er diese aber tatsächlich erfüllt, ist seine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es allerdings zu entscheiden, wann meine Beziehungen oder meine Arbeit mein Leben nur noch in etwas Schweres und Mühevolles verwandeln, ob ich das weiter mitmachen will oder ob ich irgendwann entscheide: „Von hier an ist es nicht mehr meine Aufgabe.“

Buchempfehlung:

Ichiro Kishimi und Fumitake Koga: „Du musst nicht von allen gemocht werden. Vom Mut sich nicht zu verbiegen. Rowohlt Taschenbuch Verlag

🍀Glück – hausgemacht

Durch eine einfache Übung das Wohlbefinden steigern

Seit einiger Zeit mache ich eine Ausbildung zur Happinesstrainerin bei der ALH. Happiness bzw. Wege, um die persönliche Zufriedenheit zu steigern, finde ich total faszinierend und ich hab‘ mich bereits vor dem Studium schon sehr viel mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Positiven Psychologie befasst.

Dabei habe ich gelernt, dass es viele Möglichkeiten gibt, durch neue Wege des Denkens, Fühlens und Erlebens sein Wohlbefinden deutlich zu steigern.

Als Teenager und noch viele Jahre danach war ich z. B. der totale Morgenmuffel. Ich erinnere mich noch gut, dass ich meine damalige beste Freundin, total angeschrien habe, nur weil sie mich am Morgen nach einem Partyabend geweckt hat – mit einer Tasse Kaffee, die sie mir liebenswerter Weise um 12 Uhr mittags (!) ans Bett gebracht hat😳. Inzwischen ist mir vieles begegnet (dazu ein anderes Mal mehr), was mich gelehrt hat,  auf die schönen Seiten des Lebens zu schauen🙏.

Glücksaktivitäten

Eine besonders schöne Glücksaktivität habe ich gestern im Buch „Glücklich sein“ von Sonja Lyubomirsky entdeckt. Dabei geht es darum, sich zunächst eine Liste mit schönen Erinnerungen zu erstellen, Fotos und andere Gegenstände, die man mit dieser Zeit verbindet, zusammenzusammeln und dann eine Woche lang zweimal pro Tag in schönen Erlebnissen der Vergangenheit zu schwelgen. Dabei kann man die Augen schließen und sich so viele Details – Farben, Stimmungen, Gerüche – wie möglich ins Gedächtnis rufen.

Mit fiel gleich der Tag ein, als unser Hundebaby bei uns einzog. Ich war so zehn Jahre alt und wollte – wie wohl jedes Kind in diesem Alter – unbedingt einen Hund haben. Als die Pudeldame Trixi der Bekannten meiner Eltern Nachwuchs bekommen hat, war es soweit. Diese Nachricht hat mich so glücklich gemacht, dass ich schon Tage zuvor durchs Haus gelaufen bin und dabei unentwegt meine imaginäre Hundedame namens „Nelly“ beim Namen gerufen habe. In der Hand habe ich dabei schon mal ihre Hundeleine durch die Luft ausgeführt.

Unsere Nelly, der Mittelpukt unserer Familie!

Ich erinnere mich genau an den fantastischen Leder-Geruch dieser roten Leine. Total aus dem Häuschen bin ich dem Auto entgegengerannt, das die kostbare Fracht endlich zu uns gebracht hat und als die Bekannte meiner Eltern, das niedliche Hundebaby an die Autoscheibe gehoben hat, war es um mich geschehen❤ – ich war auf der Stelle schockverliebt und überzeugt, den glücklichsten Tag meines Lebens erlebt zu haben…

Gottseidank, gab es danach noch viel weitere Ereignisse, die mich glücklich gemacht haben (Verliebtheiten, Hochzeit, meine Tochter zu kriegen), sie ausführlich aufzuzählen würde aber jetzt hier den Rahmen sprengen.

Schon beim ersten Ausprobieren der Übung kamen mir so viele positive Erlebnisse in den Sinn, dass sich innerhalb kürzester Zeit ein warmes Glücksgefühl in mir ausbreitete.

Diese Übung und die guten Gefühle dabei, lassen sich ganz einfach potenzieren: Beim Mittagessen mit meiner Familie habe ich diese (und andere Erlebnisse) weitererzählt und gefragt, was meinen Liebsten in den Sinn kommt, wenn sie an ihre schönen Erinnerungen denken und schnell schwelgten wir alle gemeinsam in richtig schönen Anekdoten und hatten alle super Laune. Probieren Sie es gerne aus!