Vom Wollen ins Tun kommen

Motivation

Klamottenstapel auf Schlafzimmerstühlen, die jährlich anstehende Steuererklärung, Fenster, die die Frühlingssonne schon lange nicht mehr reinlassen oder der Entwurf einer neuen Kommunikationsstrategie für die Abteilung – Dinge, die wir den lieben langen Tag vor uns her schieben, kennt jeder von uns nur zu gut. 

Natürlich ist nicht alles gleich wichtig und vieles erledigt sich auch von selbst (wie man da eine gute Unterscheidung trifft, lehrt beispielweise das Eisenhowermodell (s. beispielsweise: karrierebibel.de/eisenhower-prinzip).

Wie motiviere ich mich aber, Dinge zu erledigen, die zu tun sind? Und warum bin ich bei einigen Aufgaben supermotiviert, mach‘ sie aber trotzdem nicht?

Um diese Fragen zu beantworten, schauen wir uns mal an, was Motivation eigentlich bedeutet. Der Begriff stammt vom lateinischen „movere“ ab und bedeutet so viel wie bewegen. Motiviert sein bedeutet also „in Bewegung kommen“. 

Zwei Arten der Motivation

In der Wissenschaft werden zwei Arten der Motivation unterschieden.

Bei der extrinsischen Motivation kommt der Ansporn etwas zu tun von außen, beispielsweise kann mein Verdienst mich extrinsisch motivieren oder auch eine Belohnung, die ich für eine Tätigkeit erhalte.

Im Gegensatz dazu steht die intrinsische Motivation. Hier kommt der Antrieb aus mir selbst, beispielsweise, wenn ich als Künstler Lust habe, ein Bild zu gestalten. Kinder, die einfach aus der Freude an der Bewegung heraus springen, tanzen und lachen, sind intrinsisch motiviert. Aber auch die Großen können durch die Ausübung intrinsisch motivierter Handlungen regelrecht in einen Flow (ein vom führenden Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi geprägter Begriff) geraten. Intrinsische Motivation ist intensiver und hält länger an.

Volition

Was uns hilft, um tatsächlich vom Wollen ins Tun zu kommen, ist die sogenannte Volition. Volition lässt sich mit Umsetzungskompetenz übersetzen.

Wie aber kann ich meine Umsetzungskompetenz stärken? Die folgenden sechs Wege geben eine Antwort darauf:

  • Vision finden, Etappenziele setzen, Prioritäten klären

Nur wenn ich meine ganz persönliche Vision von meinem zukünftigen Leben vor Augen habe, werden auch mein gesamtes Handeln im Alltag, meine mittelfristigen Pläne und meine längerfristigen Schritte davon bestimmt (Seminare zur Standortbestimmung oder auch ein Coach können dabei unterstützen, meine persönliche Lebensvision zu finden).

Um nicht von den vielen anstehenden Aufgaben und Zwischenzielen auf dem Weg dahin erschlagen zu werden, hilft es Prioritäten zu setzen.

  • Kleine Aufgaben nicht auf die lange Bank schieben. Kleinkram hält oft auf und lässt kaum Zeit für größere Projekte, darum zunächst alles, was in 3 Minuten erledigt werden kann, sofort erledigen. Auch wenn es langweiliger Routinekram ist – schiebt man diesen immer wieder vor sich her, wächst er bald auf riesige Ausmaße an. Generell löst sich keine Aufgabe oder Problemstellung von alleine, sondern wird durch Nichtbeachtung immer größer.
  • Lebenszufriedenheit steigern. Menschen, die gelernt haben, auf die guten Seiten des Lebens zu blicken, Werkzeuge wie Dankbarkeit, Lebensfreude oder tiefe zwischenmenschliche Beziehungen im täglichen Erleben einzusetzen, sind angefüllt mit Energie. Energie, die sie für die Erreichung ihrer Ziele und die Bewältigung von Aufgaben verwenden (der noch relativ junge wissenschaftliche Zweig der Positiven Psychologie beschäftigt sich mit der Steigerung des menschlichen Wohlbefindens, Happinesstrainer können dabei unterstützen, mehr positive Energie zu gewinnen).
  • Sinn finden. Herauszufinden, welche Tätigkeit mir Sinn im Leben gibt, einem so viel Freude macht, das man keinen Tag im Leben mehr arbeiten braucht, einfach weil es sich nicht nach Arbeit anfühlt, kann ein großer Antriebsmotor sein.
  • Stärken, Werte und Kompetenzen erkennen. Was kann ich besonders gut, welche Aufgaben liegen mir?  Es ist gut, seine Selbstwirksamkeit kennenzulernen und wenn nötig weitere Kompetenzen auf dem Weg zur Erfüllung der persönlichen Lebensvision zu erwerben.
  • Tricks einsetzen. Ich persönlich liebe die Pomodoro🍅-Technik (s. z. B. hier: (https://www.youtube.com/watch?v=cl93bW757pc). Dabei werden anstehende Aufgaben in Einheiten von 25 Minuten (Pomodoro) unterteilt, in denen man sich durch nichts ablenken lassen darf (also keine Fenster putzen, Zeitungen aussortieren oder was man sonst so gerne tut, um sich von den eigentlich wichtigen Aufgaben ablenken zu lassen 😉). Weil es sich um eine relativ kleine Zeitspanne handelt, lässt sich das gut, am besten mit einer Zeitschaltuhr, umsetzen. Danach macht man fünf Minuten Pause und startet die nächste Pomodoro von 25 Minuten. Nach vier Pomodoro macht man eine größere Pause von 15 bis 30 Minuten. Danach geht es wieder von vorne los. Am Ende jeder Einheit auf einer Liste die getanen Schritte als erledigt abhaken, das bringt am Ende des Tages einen Überblick darüber, was man geschafft hat.

Techniken, Einstellungen und Methoden, mit denen man seine Motivation steigern und sie in Volition verwandeln kann, sind beispielsweise durch Seminare und Coachings erlern- und erlebbar.

Wenn im Büro Giraffe und Wolf miteinander sprechen

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg

Teil I Beobachtung + Gefühle

Kürzlich war ich auf einem 2-tägigen VHS-Seminar zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation (GFK)“ nach Marshall Rosenberg bei der hervorragenden Dozentin Sabine Sauerborn. GFK ist ein hervorragendes Instrument für alle, die sich fragen, warum Gespräche mit manchen Kollegen angenehm und andere sehr unangenehm sein können und wie man die eigentliche Absicht hinter dem Gesagten lesen lernt, um besser darauf eingehen zu können.

Ihr ahnt es schon beim Titel, unangenehm ist eher das Gespräch mit den Wölfen, angenehm sind Unterhaltungen mit Giraffen. Rosenberg verwendet diese Tiere, um eine gewaltvolle und gewaltfreie Sprache zu symbolisieren. Das heißt, der Wolf mit seinen scharfen Zähnen ist ein Sinnbild für denjenigen, der mit seiner Sprache Schaden anrichten kann und andere damit verletzt. Die Giraffe ist nicht nur das Säugetier mit dem größten Herz (12 kg)  im Tierreich, sondern hat mit ihrem langen Hals einen wunderbaren Überblick über viele Situationen. Auch wenn beide Sprachstile ihre Berechtigung haben, kann die Verwendung von Giraffensprache viele Team-Sitzungen und Konversationen erleichtern, Anweisungen angenehmer klingen lassen und den Austausch untereinander deutlich verbessern. Das gelingt über 4 Schritte:

Die vier Schritte

Da ich die vier Schritte des Programms: „Zunächst schildern, was man beim Gegenüber wahrnimmt/beobachtet, dann sein Gefühl beschreiben, das dahinter stehende Bedürfnis benennen und zum Schluss eine konkrete Bitte formulieren“ bereits kannte, fragte ich mich Vorfeld, kann man tatsächlich über so eine simple Anleitung zwei Tage lang sprechen?

Damit lag ich komplett falsch wie sich sehr schnell herausstellte und bereits nach dem ersten Tag war mir glasklar, warum die komplette Ausbildung zum GFK-Trainer bis zu fünf Jahre (!) dauern kann.

Neutrale Beobachtung

Allein eine völlig neutrale Beobachtung zu formulieren, hatte es echt in sich, wie die Teilnehmer unseres Kurses schnell feststellten. Ich hätte nie gedacht, dass ein so großer Anteil unserer Sprache aus Kritik besteht! So ist der Satz: „Du räumst nie die Spülmaschine aus!“ nicht nur Kritik, sondern auch eine im Sinne von gelingender  Kommunikation unzulässige Verallgemeinerung. Also konkreter: „Heute war die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt.“ Noch konkreter formulieren, würde Sabine jetzt raten, ok: „Um 16 Uhr war heute das Geschirr noch in der Spülmaschine.“

Und jetzt Sie, schreiben Sie neutral:

  • „Du bist zu früh!“

Wertfreie Lösung z.B.:

  • „Du bist um 14 Uhr gekommen, wir hatten 14.15 Uhr vereinbart!“

oder

  • „Du bist frech.“

Wertfrei und konkret:

  • „Du hast „Idiotin“ zu mir gesagt.“

2) Gefühle benennen

Das war schon happig, aber kein Vergleich zur Schwere der nächsten Aufgabe „echte“ Gefühle zu benennen. Wir haben gelernt, dass echte Gefühle im Gegensatz zu unechten Gefühlen deutlich körperlich gespürt werden z. B „Ich bin nervös, ich bin glücklich oder ich bin bedrückt.“ Gefühle entstehen in uns selber und auch nur wir allein sind für unsere Gefühle verantwortlich. Darum ist alles, was von außen an mich herangetragen wird oder wofür ich anderen die Schuld/Verantwortung gerne zuschieben möchte, kein echtes Gefühl: „Du hast mich traurig gemacht“ = unecht, niemand anders kann einen traurig machen;  „Ich fühle mich unter Druck gesetzt = unecht, den Druck mach ich mir selber oder „Ich spüre, Du denkst nur an Dich = unecht, woher will man wissen, was der andere spürt oder denkt?

Um echte Gefühle handelt es sich, wie oben schon erwähnt, wenn ich sie auch körperlich spüren kann, also das Kribbeln im Bauch, wenn ich sage: „Ich bin glücklich“, das Erröten, wenn ich sage, ich schäme mich oder der Knoten im Bauch, wenn ich so richtig wütend bin.

Ein sehr schönes Video zum Gefühl „Liebe“ mit Marshall Rosenberg, das auch zeigt, wie er Giraffe und Wolf einsetzt, findet ihr hier:

Gefühle drücke ich aus, indem ich beispielsweise sage: „Ich fühle mich traurig“, „Ich bin sauer“, „Ich bin zornig“ oder auch „Ich bin überglücklich“ und „Ich fühle mich lebendig.

Eine schöne Auswahl von echten und unechten Gefühlen findet ihr beispielsweise auf der Webseite von Klaus Jürgen Becker .

Ja, was habe ich jetzt davon, wenn ich mein Gefühl benennen kann? Zum einen spüre ich, was mit mir eigentlich los ist. So trivial wie sich das vielleicht anhört, ich kenne sehr viele Menschen, denen dieser Zugang zu Ihrem Selbst fehlt bzw. irgendwann verschüttet wurde.

Und wenn ich das weiß, kann ich auch viel deutlicher mitteilen, was ich eigentlich möchte.

Und zum anderen ist dieses identifizierte Gefühl ein klarer Indikator für ein dahinterstehendes Bedürfnis und erst wenn, ich das bei mir benennen kann und im besten Fall noch herausfinde, welches Bedürfnis eigentlich hinter dem steckt, was mir gerade mein Gegenüber mitgeteilt hat, kann ich so was wie eine echte Verbindung schaffen und eine gelingende Kommunikation erreichen.

Schritt 3 „Bedürfnisse benennen“ und eine „Bitte äußern“ (Schritt 4) folgen in einem weiteren Blogartikel!

Tipps für ein gutes Bewerbungsanschreiben

Weil ich so gerne Dinge zu Papier bringe, möchte ich hier in lockerer Anordnung Geschriebenes als Kostproben anbieten. Die erste Mini-Serie dreht sich, weil es mich im Augenblick den größten Teil meiner Aufmerksamkeit kostet, um Tipps für ein gelungenes #Bewerbungsanschreiben:

Bevor es los geht:

Obwohl ich seit meinem Studienabschluss in Kommunikationswissenschaften bereits seit etlichen Jahren als Journalistin arbeite und beinahe täglich nichts anderes tue als Artikel, Newsmeldungen, Interwies, Produktdarstellungen, Reportagen oder Interviews zu verfassen, saß ich vor meiner ersten Bewerbung, die ich seit langem wieder schrieb, stundenlang vor einem lehren Blatt. Warum? Meiner Meinung nach ist nichts schwieriger – auch nicht ein Text über den Jahresabschluss von Großkonzernen,-) – als für sich Werbung in eigener Sache zu machen. Nichts anderes ist eine Bewerbung.

Also, was gehört in so ein Bewerbungsschreiben und was sollte ich tun, bevor es los geht?

  • Infos sammeln über den Adressaten meiner Bewerbung
  • Infos über mich herausfinden
  • Meine Infos mit dem Stellenprofil in Einklang bringen
  • Formalien – es kann losgehen

Zu 1) Mit Punkt eins „Infos sammeln über den Adressaten“ starten wir heute. Warum ist das so wichtig? Es ist leider in vielen Branchen z. B. im Journalismus oder der Pressearbeit keine Seltenheit mehr, dass Personaler auf eine ausgeschriebene Stelle an die hundert Bewerbungen erhalten. Da sollte der Bewerber schon im Anschreiben verdeutlichen, dass er sich mit dem betreffenden Unternehmen auseinandergesetzt hat. Der Besuch der Firmenhomepage ist also das Minimalprogramm. Bei Punkten wie „Über uns“, „Unternehmensgeschichte“ oder „Vorstand“ genau lesen bzw. hinsehen. Weitere Infos können Firmenflyer, Werbeprospekte oder auch Anzeigen liefern.

Verabschieden Sie sich von Langweiler-Einstiegssätzen

Der viel genutzte übliche Einstieg à la : „Mit großem Interesse habe ich gelesen, dass Sie eine Mitarbeiterin Blablabla… suchen, um diese Position möchte ich bewerben“, treibt vielen Personalberatern zumeist nur noch ein müdes Gähnen ins Gesicht.

Es geht auch anders. Auf Unternehmensseiten finden sich Leitsätze wie „Wir finden Ihren Weg“ (CPRO Industry) oder „MALZERS möchte der beste Bäcker des Ruhrgebiets sein“ (Malzers). Mit solchen Aussagen lassen sich prima Bewerbungsschreiben einleiten. Ein Einstieg wie „MALZERS möchte der beste Bäcker im Ruhrgebiet werden und ich möchte Ihr Unternehmen dabei tatkräftig als Mitarbeiterin Marketing unterstützen“, zeigt dem Personaler schon im ersten Satz, dass man sich mit dem Unternehmen und seinen Zielen auseinandergesetzt hat.

Die erfolgreiche Unternehmensberaterin Svenja Hofert aus Hamburg bringt es so auf den Punkt: „Gerade der erste Satz muss „sitzen“ …. Ihr erster Satz muss deshalb anders sein, als die ersten Sätze Ihrer Mitbewerber. Vielleicht beziehen Sie sich auf Ihre fachlichen oder persönlichen Qualifikationen, vielleicht auf das Unternehmen, auf dessen Werbung oder unternehmerische Ziel – aber bitte niemals auf „Ihre Anzeige im Stellenmarkt Monster vom 15.7.2008.“ (Hofert, Svenja, Praxismappe für die kreative Bewerbung, Eichhorn AG, Frankfurt am Main, Juli 2008, S. 91 ff.)

Mit einem spannenden Einstieg ist erstmal das Interesse der Verantwortlichen geweckt, wie ich herausfinde, welche Stärken ich habe, damit ich weiter punkten kann, erläutert der nächste Beitrag.

Birgit Hölker-Schüttler
Die Autorin hat einen Magisterabschluss im Fach Kommunikationswissenschaften. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Journalistin für Tageszeitungen, die Fachpresse und für das Internet. Fasziniert von der Dynamik der Neuen Medien hat sie zudem erfolgreich eine Ausbildung als Social Media Managerin (IHK) absolviert und ist auf vielen Kanälen im Netz unterwegs.